Expeditionen

Während jeder Saison nähern sich die Akteure den Stoffen und Formen ihrer Produktion In ganz unterschiedlicher Weise und über einen längeren Zeitraum hinweg, mindestens ein Jahr lang. Die Auseinandersetzungen mit einer immer wieder unbekannten Welt sind spielerisch und offen. Die manchmal gerichtete, manchmal frei schwebende Suche nach Bedeutungen, Verweisungen und Korrespondenzen, nach Metaphern, Symbolen und realen Materialien, nach Bildern, Gesten, Bewegungen, Klängen, Rhythmen, nach Formen der Konstruktion und Montage ist für alle Beteiligten mit Grenzgängen und Abenteuern verbunden.


Zu einer jeden solchen Saison gehört mindestens eine Expedition außerhalb Deutschlands mit internationalen Partnern.


So viel Zeit für die Produktion einer Saison zur Verfügung stehen mag: Theaterexpeditionen sind kurz. In den zwei, drei Wochen, die sie in der Regel dauern, verdichtet sich die Zeit. Begegnungen, Austausche, Eindrücke, Versuche, Fehlschläge, glückliche Funde folgen einander überrasch und überlagern einander. Die Fremdheit der äußeren Landschaft korrespondiert mit dem, was uns an uns selbst fremd ist. Zuweilen verschwimmt die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit, und oft gelingt es erst der Erinnerung, das Geschehen ein wenig zu sortieren. (Gerade um dieser Freiheiten und produktiven Unsicherheiten willen bedürfen Expeditionen sorgfältigster Vorbereitung.)


Theaterexpeditionen sind – oft unvergessliche – Bewegungen, mal Jagden, mal Spaziergänge, durch äußere und innere Landschaften. Wie durchsichtige Folien legen sich hier die Bilder und Texte literarischer Vorlagen, persönliche Erinnerungen und Funde der in der besuchten Region unternommenen Recherchen übereinander. Mehr als andere Phasen der Produktion tragen diese Überblendungen während der Theaterexpeditionen zur Herausbildung der Partituren von Aufführungen und zur Entdeckung der die Aufführungen prägenden „nature of the performance“ (Włodek Staniewski) bei.


Theaterexpeditionen mit ihrer dichten Zeit, ihren Beschleunigungen und unvermuteten Stillständen stehen daher im Zentrum der Arbeit von Expedition Metropolis. Sie strahlen in viele andere Bereiche aus – professionelle Kooperationen intensivieren sich, es entstehen persönliche Freundschaften – und liegen der Namensgebung von „ExMe“ zugrunde.


Expeditionen:
1998: Antigone (Jean Anouilh) und die Untertagewelt in Oberschlesien
1999: Vineta (Jura Soyfer) und die Inselwelt Hiddensee
2001: Wanderung zwischen den Welten: Wales
2003: Hamlet (nach William Shakespeare): Hamlet Landschaft Bosnien
2004: Flieder & Flagge (nach John Berger): Troja Landschaft Makedonien
2005: Traum & Clown: Spanien
2007: Ikarus: Matovce (Slowakei) und Budapest

 

 

 

 

 



"Theaterexpedition"
Wörterbuch der Theaterpädagogik: U.Hardt, F. Hödl, M.Kreutzer
Theaterexpedition Wörterbuch der Theater
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