Deutsch-Polnische Theater- und Musikwerkstätten:
Verlassener Bahnhof / Opuszczony dworzec
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Fotos Werkstatt 1 (Mai 2010 Berlin)
Seit vielen Jahren schon bricht Expedition Metropolis zu gemeinsamen künstlerischen Erkundungs- und Forschungsreisen auf. „Verlassener Bahnhof“ ist eine
Koproduktion, in der Künstler, junge Akteure sowie „Community Art Zentren“ sich auf eine Erkundungsreise im deutsch-polnischen Grenzraum begeben.
Entstehen wird eine deutsch-polnische Theater- und Musikproduktion, die in längerer Perspektive an verschiedenen Orten gezeigt wird. Jeder Ort nachfolgender
Aufführungen wird zugleich auch ein Ort weiterer Recherchen sein, sodaß sich das Stück im Zuge seiner Präsentationen fortlaufend ändert und entwickelt.
Realisiert wird das Projekt auf zwei Ebenen: in Werkstätten, die der Dramaturgie einer deutsch-polnischen Jugendkunst-Begegnung folgen (Werkstattzyklus) und Produktionswerkstätten mit abschließenden ersten Präsentationen (Produktionszyklus).
Die entstehende Aufführung spielt auf einem imaginären oder realen Bahnhof, der im Wesentlichen aus drei hintereinander liegenden Bahnsteigen besteht. Auf jedem
Bahnsteig befindet sich ein Mast mit einem Lautsprecher/Megaphon, aus denen hin und wieder schwer zu erfassende Mitteilungen über ‚Vorkommnisse aus aller Welt’ ertönen. Die Bahnsteige werden
überspannt von einer begehbaren Brücke, sodaß man von einem Bahnsteig zum nächsten wechseln kann. Zwischen den Bahnsteigen befindet sich ein zu Eis erstarrter Fluß, der im Fortgang der
Performance zu schmelzen und zu fließen beginnt. Züge verkehren auf diesem Bahnhof nicht mehr. Abfahrende wie ankommende Reisende befinden sich gleichermaßen in einen Zwischenraum. An diesem Ort
funktioneller Irrelevanz’ halten sie inne und beginnen, die verschiedenen Schichten und Schalen ihrer Erfahrungen und Erwartungen, die sie an diesen Ort geführt haben, freizulegen. Der verlassene
Bahnhof mit seinen nutzlos gewordenen Gleisen ist gleichsam ein Bild und Gefäß, um verschiedene - reale und imaginäre - Zugänge und persönliche Eintragungen an einem konkreten Ort zu
vergegenwärtigen, sie zu sammeln und miteinander ins Spiel zu bringen.
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Fotos Werkstatt 2 (Strzelewo/Polen)
In der Auseinandersetzung mit zeit-räumlichen Überlagerungen spannt das Projekt den Bogen bewusst sehr weit zwischen Erinnerung und Zukunftsgestaltung:
Familiengeschichten, neue Nachbarschaften, die Koexistenz unterschiedlicher Zuschreibungen in deutsch-polnischen Grenzräumen, Umbenennungen, Abbrüche, Aufbrüche und Migrationsströme - all dies
sind Themen gemeinsamer Recherche und Reflexion. Ausgehend vom Bild eines ‚verlassenen Bahnhofs’ nähert sich das Projekt metaphorisch den Zeugnissen und (Ge-)Schichten eines stetigen Wandels, um
diesen als Ressource und Potenzial zunächst im deutsch-polnischen und im weiteren Fortgang für den europäisch-lateinamerikanischen Dialog entdecken zu können.
Die deutsch-polnische Geschichte ist in besonderem Maße gekennzeichnet durch räumliche Verschiebungen, markierte Grenzräume und neu zu ordnende
Überlebens-Strukturen. In der Folge wurden Nachbarschaftsverhältnisse immer wieder neu gegründet und Zuordnungen zum gemeinsamen Lebensraum neu herausgebildet. Die Präsenz überwachsener Symbole
und materieller Restbestände, die Vielschichtigkeit persönlicher Erinnerungen und Vertrautheiten zeugen von der spezifischen Dynamik und Polyphonie dieses deutsch-polnischen ‚Erinnerungsraumes’:
im Nichts endende Stumpen nicht mehr verbundener Brückenteile einiger Grenzorte (Aurith - Urad), Überlagerungen deutsch-polnischer Familiengeschichten in einzelnen Häusern, Risse zwischen den
Generationen in Folge ungewisser Beheimatungen und Umsiedlungen, die Kluft zwischen Neuankömmlingen, Zurückgebliebenen oder Wiederkehrenden, Brüche in menschlichen Biografien, umfunktionierte
Betriebe und Behausungen, überwachsene Verkehrswege und still gelegte Bahnhöfe, der Erfindergeist derer, die entwertet wurden und sich neu erfinden mussten, ...dies alles erzählt von Abbrüchen
und Neuanfängen, von Umbrüchen und Überlagerungen, die sich als raum-zeitliches Konstrukt eingeschrieben haben in eine ‚deutsch-polnische’ Geschichte - eine Nachbarschaft, deren Zusammenhänge wir
uns im „verlassenen Bahnhof“ näher anschauen und dafür eine Sprache suchen werden.
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Fotos Produktionswerkstatt (Berlin)
Vor dem Hintergrund verschiedener aktueller Ausprägungen eines ‚politischen Theaters’ als Ort gemeinsamer Werte-Ermittlung wird die Frage nach dem Verhältnis zwischen Theater und einem sozialen Kontext eine zentrale und gemeinsame sein. In Vorträgen und Diskussionen, in ‚Lectures’ und Übungen werden sich die Akteure insbesondere mit der Praxis des Theaters in unterschiedlichen ‚Erinnerungs- und Identitätskontexten’ auseinandersetzen. Der Werkstatt- ebenso wie der Produktionszyklus werden ihre Auseinandersetzung mit einem deutsch-polnischen Erinnerungsraum jeweils im Brennglas eines Lateinamerikanischen Erinnerungsraumes spiegeln. Die geplante Expedition „Memoria - vermessene Wege“ wirft ihre Schatten weit voraus. Beide Zyklen stehen in Korrespondenz mit den Kontexten der Lateinamerikanischen, insbesondere des peruanischen Partners Arena y Esteras aus Lima. In gemeinsamen Aktionen und Produktionen wird „verlassener Bahnhof“ auch das Verhältnis von ‚Kunst und sozialer Transformation’ reflektieren.
Die Werkstatt 1 fand vorrangig statt an der neuen Wirkungsstätte von Expedition Metropolis, in der DESI, Ohlauer Strasse 39-41, in Berlin-Kreuzberg.
Werkstatt 2 fand vom 11.-25.7.2010 bei unserem Partner Teatr Brama in Strzelewo, Polen statt.
Die Produktionswerkstatt fand vom 25.-30.7.2010 im Grenzraum Berlin/Brandenburg statt.
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Gefördert durch:
Bundeszentrale politische Bildung
Deutsch-polnisches
Jugendwerk / BKJ
Pomerania
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