Vermessene Wege

Theater Expedition Lateinamerika – Europa

Glücklich ist der Mensch, der sich seiner Grenzen bewusst wird und nicht Wolken für den Horizont hält, den er sucht.

In dieser Erkenntnis besteht unsere ganze Philosophie.

Alexander von Humboldt

 

Memoria - vermessene Wege

Peru / Polen / Deutschland

 

„Vermessene Wege“ lautet der Titel einer Theater-Expedition, die im Herbst 2010 in Peru im Rahmen des langfristigen Kooperations-Vorhabens „Memoria - cross over arts“ stattfinden wird.

Die beteiligten Partner sind: Expedition Metropolis Berlin (Deutschland), Teatr Brama Goleniów (Polen), Arena y Esteras Lima (Peru).

In unterschiedlichen Phasen des Gesamtprojektes werden die kooperierenden Partner sich mit den Themen: ‚Migration (Ankommen und Weggehen‚ Erinnerung und Identität, neue Nachbarschaften und Grenzziehungen’ auseinandersetzen und ihre Erkundungen künstlerisch umsetzen. Teilnehmende sind junge Theaterakteure sowie Interessierte und Publikum aus den communities vor Ort.

 

„Vermessene Wege“ nimmt Dialoge und Kooperationen auf, die im Rahmen des interkontinentalen Vorhabens „Memoria - cross over art“ im Mai 2009 in Europa (Berlin und Goleniów) begannen. Darüber hinaus verdichtet die Expedition Aktivitäten und Vorhaben, die jeder der beteiligten Partner in seinen lokalen Foren über einen längeren Zeitraum (Mai bis September 2010) vorbereitet bzw. schon erarbeitet hat. Auf diese Weise werden spezifisch lokale Aspekte der beteiligten Partner ebenso wie globale Auseinandersetzungsebenen in die Expedition eingebunden. Und es gibt die Möglichkeit, dass in den jeweiligen Etappen viele unterschiedliche Akteure partizipieren und die Theaterarbeit als Lebensraum entdecken sowie die Chancen und Potentiale einer „Kunst für Entwicklung“ in einem lateinamerikanisch-deutsch-polnischen Kontext erkunden. Im Laufe des gesamten Memoria - Vorhabens werden daher mit besonderer Aufmerksamkeit solcherlei Erfahrungen und Fragestellungen ausgetauscht und weiter entwickelt, in denen die künstlerische Arbeit im Dialog steht mit der Ermittlung potentieller Qualitäten und nachhaltiger Ressourcen einer community (eines Gemeinwesens).

 

Die künstlerische Auseinandersetzung mit Themen wie: Erinnerungskulturen, Grenzen und Nachbarschaften nehmen deutlich und engagiert aktuelle Debatten auf:

Welche Erinnerungsströme konkurrieren miteinander? Wie entstehen Mauern des Schweigens und wie wirken sie? Wie können vielschichtige und einander widersprechende Erinnerungsströme oder Erzählungen gleichermaßen zugelassen und anerkannt werden? In welcher Art von Versammlung und Theater können sich überlagernde Erinnerungslinien in Dialog gebracht werden? Welche Ver-wandlungen und Versammlungsformen sind tauglich, um gemeinsam Werte zu ermitteln?

Dies sind nur einige Fragen, die uns in der Theaterarbeit in die weite und unwegsame Landschaft einer Verständigung über Menschenrechte und Demokratie, über die Suche nach Glück, über Bildung und Entwicklung führen.

 

Die Thematik „Memoria“ (Erinnerung) ist hochaktuell und verbindend in dieser Konstellation: so wurde die Bewilligung von Geldern für den Bau eines „Erinnerungsmuseums“ in Lima zur Auseinandersetzung mit der Terrorbewegung des Sendero luminoso sehr kontrovers aufgenommen, und die Debatten um die Vergegenwärtigung eines gemeinsamen deutsch-polnischen Erbes schlagen immer wieder hohe Wellen.

 

Das Projekt ‚Vermessene Wege’ spiegelt Grenzen (nicht nur geographischer Art) eines deutsch-polnischen Erinnerungskontextes an einem lateinamerikanischen Kontext.

Der spannungsreiche Dialog eines deutsch-polnischen Grenzraumes korespondiert mit der spezifischen Dynamik eines nachbarschaftlichen Grenzraumes an einem weit entlegenen Ort: der peruanischen Siedlung Villa el Salvador mit seinen täglich neuen Nachbarschaften, gegenseitigen Abgrenzungen und Verdrängungen als Folge subversiver Migrationsströme zwischen einem verarmten und vernachlässigten Hinterland und den Ansprüchen einer wuchernden südamerikanischen Megacity wie Lima.

In langfristiger Perspektive werden die Erfahrungen - ausgehend vom Dialog zwischen den nächsten Nachbarn (in Europa exemplarisch Deutschland und Polen) über den Weg gemeinsamer Erkundungen auf einem globalen Terrain - letztlich an den jeweiligen lokalen Ausgangspunkt zurückgebracht und dort wirksam umgesetzt.

 

Vor dem Hintergrund verschiedener aktueller Ausprägungen eines ‚politischen Theaters’ als Ort gemeinsamer Werte-Ermittlung wird die Frage nach dem Verhältnis zwischen Theater und einem sozialen Kontext eine zentrale und verbindende sein. In gemeinsamen Werkstätten und Präsentationen, in gemeinsamen Produktionen und Diskussionen werden sich die Akteure insbesondere mit der Praxis des Theaters in unterschiedlichen ‚Erinnerungs- und Identitätskontexten’ auseinandersetzen. Indem „Vermessene Wege“ die unterschiedlichen Arbeitskontexte der Partner in eine produktive und voneinander lernende Beziehung bringt, wird der Dialog über ‚Kunst und sozialer Transformation’ nicht nur weiter entwickelt, sondern gleichermaßen exemplarisch für einen zukünftigen Transfer geprüft.

 

 

Zeitplan / Ziele

 

I.) Theater-, Musik- und andere Werkstätten im Vorfeld der Expedition in Deutschland und Polen mit Lateinamerika-Fokus

Die europäischen Akteure werden eine 'Performance' im Gepäck haben und präsentieren, die derzeit unter dem Titel 'Verlassener Bahnhof' in deutsch-polnischer Kooperation erarbeitet wird. Grundlage dieser Produktion sind gemeinsame Erkundungen junger Akteure aus Deutschland und Polen im Theater, in der Stadt und im grenznahen Raum. Die vier leitenden Themen dieser deutsch-polnischen Koproduktion, die gleichermaßen auch leitend für die geplante europäisch-lateinamerikanische Zusammenarbeit sind, sind beschrieben als:

- Räume 'funktioneller Irrelevanz' (verlassene Orte)

- Migration: etwas zurück lassen - sich neu er-finden

- Koexistenz verschiedener Erinnerungsströme

- Dialog zwischen Erinnerung und Zukunftsgestaltung im Community Theater/Das Politische einer Kunst der Entwicklung.

 

II.) Expedition nach Peru: 18. Oktober - 09. November:

Teilnehmen werden auf europäischer Seite 8 Personen aus den Theatergruppen Expedition Metropolis und Teatr Brama.

Während der Expedition in Peru wird zu den oben genannten Themen gemeinsam weiter recherchiert und in communities gearbeitet - mit besonderem, auch zeitlichem Schwerpunkt auf eine Andenregion namens Capaya, deren Erinnerung an eine jüngste, Grauen volle Vergangenheit das alltägliche Leben der Bewohner und Familien belastet und das Gefüge der Gemeinschaft zu zerreißen droht.

Im weiteren Fortgang wird das Material weiter bearbeitet und zu einer gemeinsamen deutsch-polnisch-peruanischen Produktion verdichtet, die am Ende der Reise in ein Theater-Festival in Lima als Präsentation eingebunden sein wird.


Ablauf

• Aufenthalt in Villa el Salvador und Lima (gemeinsame Recherchen, Werkstätten und Aufführungen vor Ort): 19.-23. Oktober

• Gemeinsame Expedition in der Andenregion um Capaya: 23. – 27. Oktober

• 29. Oktober Präsentation der trinationalen Arbeit "Platforma" im Goethe Institut in Lima 

• Teilnahme am Community Theater Festival ‚Yuyaykunaypac: 30.Oktober – 7. November

(Die Expedition ist in Lima eingewoben in die Aktivitäten um das Theaterfestival „yuyaykunaypak“ von Arena y Esteras)

• 8. November Rückflug Europäische Gruppe nach Polen/Deutschland

 

November/Dezember Informationstransfer Berlin-Polen:

Informationsveranstaltung zu den Erfahrungen, die auf der lateinamerikanischen Expedition gemacht wurden. Vermittlung an ein größeres Publikum in Berlin. Gezeigt werden Videos, kleine Ausschnitte der entstandenen Stücke, Diskussion im Zusammenhang community art – art for social transformation.

Abschließende Auswertung

 

Dokumentation:

Die Erfahrungen der Expedition werden anschließend die lokalen Aktivitäten jedes der beteiligten Partner beleben und bereichern.

Neben den Bühnenpräsentationen werden Musiken, Bilder, ein Film und ein Bildessay als Materialien einer mobilen Ausstellung zum Thema ‚Nachbarschaft und Über-Lebensstrategien’ entstehen.

Gefördert durch den BDAT aus Mitteln des Auswärtigen Amts, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugenbildung, Bundeszentrale für Politische Bildung

Memoria Bericht
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Pressemitteilung Vermessene Wege
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